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Ev. Kirche St. Hippolyt
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EV. KIRCHE ST. HIPPOLYT
 

Ev. Kirche St. Hippolyt - Untersuchung der Sakramentsnische


 
 

Beschreibung des Objekts
Gegenstand dieser Befunduntersuchung ist eine farbig gefasste Sakramentsnische, die in die Nordwand der St. Hippolyt-Kirche in Nordenham-Blexen eingebaut ist. Eine kielbogige Architektur rahmt ein Tympanon, dass das Martyrium des Kirchenpatrons Hippolyt im Relief darstellt. In der Architekturgliederung finden sich zahlreiche Ornamentformen der Spätgotik: Kreuzblumen, Fialen, Ziertürmchen zur bekrönenden Endung, Blendmaßwerk und Krabben. Die strenge geometrische Ordnung wird durch die pflanzlich-organischen Zutaten belebt.Nach der Legende war Hippolytus ein römischer Märtyrer, welcher als Befehlshaber der Soldaten diente. Ihm wurde der heilige Laurentius zur Verwahrung anvertraut, dessen Standhaftigkeit ihn zum Glauben und zum Christentum führte. Aus diesem Grunde wurde er, seine Amme und 19 Angehörige seines Hauses verklagt und zum Tode verurteilt. Während diese enthauptet wurden, ließ man ihn von wilden Pferden zu Tode schleifen. Gurte und Stricke verweisen auf seine Hinrichtung, so wie es im Tympanonfeld des Objekts dargestellt ist. Unterschiedlich ist bei der vorliegenden Darstellung des Martyriums des Hippolyt auch, dass Hippolyt hier von einem Ochsen zur Tode geschleift wird.

Datierung
Spätgotisch(Ende des 15. Jh. – Anfang des 16. Jh.)

Künstler
unbekannt

Maße
Höhe (max.) 2,43 m
Breite (max.) 1,23 m

Inschriften/Signaturen
Es sind keine Inschriften vorhanden.

Material
Sandstein: Es ist eine Natursteinuntersuchung anhand von einer Steinprobe durchgeführt worden.Ergebnis: Da die Steinprobe, aufgrund der durchgeführten Bindemittelanalyse, zu 60 % in Salzsäure löslich ist, kann die Vermutung aufgestellt werden, dass es sich hier um einen Baumberger Kalksandstein handelt. Auch die Farbigkeit der Steinprobe und ihre Oberflächen-beschaffenheit und -struktur untermauern diese Vermutung.Fassung: Das Objekt ist gegenwärtig zu 95% gefasst.

Standort
Die Sakramentsnische ist im Chorbereich in die Nordwand der St. Hippolyt-Kirche eingebaut.

Eigentümer
Evangelische Kirchengemeinde St. Hippolyt, Deichstraße 10, 29954 Nordenham-Blexen, Herr Pfarrer M. Gädicke

Zuständige Behörde
Landesamt für Denkmalpflege Hannover, Scharnhorststraße 1, 30175 Hannover, Herr Dr. Königfeld, Herr Bernhard Recker

Zeitraum der Untersuchung
September - November 2002

Zustandsbeschreibung
Bei der Beschreibung des Zustandes des Objekts wird differenziert zwischen der Befund- und Schadensbeschreibung am Sandstein und der Befund- und Schadensbeschreibung an der Fassung.


 

Befund- und Schadensbeschreibung am Sandstein
Mechanische Beschädigungen / Ausbrüche
Es sind zahlreiche kleine mechanische Beschädigungen am Sakramentshäuschen erkennbar. Besonders häufig finden sich die Abbrüche an herausragenden Schmuckelementen, so sind besonders viele mechanische Beschädigungen im Bereich der Bekrönung und an den Baldachinen. Diese Beschädigungen haben ihre Ursache in mechanischer Einwirkung auf den Stein.
Besonders desolat ist der Zustand des Steins im Bereich der Nische, wo fast alle Kanten verlorengegangen sind. Ursache für den Verlust des Steins ist dem Bereich die Verwitterung: aufsteigende Feuchtigkeit begleitet von (möglicherweise) bauschädlichen Salzen hat zu diesem Schadensbild geführt.
Im Bereich des Tympanonreliefs gibt es Abbrüche an empfindlichen Stellen, z. B. den Hörnern des Ochsen, am Geschirr des Ochsen und an den Füßen des Hippolyt.


 
 

Feiner heller Ergänzungsmörtel
Feiner heller Ergänzungsmörtel findet sich am linken Konsolstein.

Heller Ergänzungsmörtel mit zahlreichen dunklen Einschlüssen
Im Bereich des Stabwerks links im Bereich der Nische wurde der Stein mit einem hellen Ergänzungsmörtel mit zahlreichen dunklen Einschlüssen ausgebessert. Ebenfalls wurde mit diesem Mörtel rechts an der rostenden Eisenbefestigung der Stein erneuert.

Dunkler Ergänzungsmörtel mit groben Einschlüssen
Im Bereich des Stabwerks links im Bereich der Nische und am linken Randbereich wurde der Stein mit einem dunklen Ergänzungsmörtel mit zahlreichen groben Einschlüssen ausgebessert. Ebenfalls wurde mit diesem Mörtel rechts an der rostenden Eisenbefestigung der Stein erneuert.

Hohlliegende Bereiche
Im Rahmenbereich der Nische hebt die Steinsubstanz sich schalenförmig ab.

Bröckelnde Steinsubstanz
In der rechten unteren Ecke im Bereich der Nische bröckelt die Steinsubstanz.

Pustelartige Salzausblühungen
Im Randbereich der Nische sind pustelartige Salzausblühungen erkennbar.

Weiße (Salz)Ausblühungen
Ebenfalls im Randbereich der Nische sind weiße, flächige Ausblühungen erkennbar. Die Ausblühungen überdecken auch vorhandene Fassung.

Risse
An einigen Stellen sind Risse im Bereich des Sakramentshäuschen erkennbar. Risse durchziehen die bekrönende Kreuzblume. Ebenfalls finden sich Risse im Rahmenbereich der Nische, oft auch im Grenzbereich von Ergänzungsmörteln.

Rostende Eisen
In der Mitte zwischen dem rechten Konsolstein und dem rechten Baldachin befinden sich Reste eines Befestigungsdübels. Ehemals war an dieser Stelle eine Figur platziert, die von hinten wahrscheinlich an einen Hacken befestigt war. Der Hacken liegt nur noch fragmentarisch vor, er korrodiert und zerstört durch Rostsprengung den Stein und die Ergänzungen.


 

Befund- und Schadensbeschreibung an der Fassung
Fehlstellen
Es sind zahlreiche Fehlstellen im Bereich der gegenwärtig sichtbaren Fassung erkennbar. Besonders große Fehlstellen sind in der unteren Hälfte des Sakramentshäuschens erkennbar. In der oberen Hälfte sind nur vereinzelt kleine Fehlstellen erkennbar.


 
 

Krakellebildung
Besonders im Bereich des Blendmaßwerks ist eine starke Krakellebildung feststellbar.

Hohlliegende Fassung
Am Tympanonrelief liegt die Fassung partiell hohl, so z. B. im Bereich der Brust des Hippolyt oder dem Rücken des Ochsen. Hohlliegende Farbfassung ist ebenfalls im unteren, waagerechten Randbereich des Sakramentshäuschens feststellbar.

Schüsselförmiges Verformen der Fassung
Besonders im Grenzbereich zu Fehlstellen hebt sich die Fassung schüsselförmig ab.

Der Zustand des Sakramentshäuschen ist graphisch in der folgenden „Befund und Schadenskartierung am Sandstein“ und in der „Befund und Schadenskartierung an der Fassung“ auf dokumentiert.


 

Gesamtaufnahme


 
 

Reliefdarstellung des Martyriums des Hippolyt
Das Relief ist stark überfaßt. Durch den dicken Farbauftrag hat das Relief an Plastizität verloren. In der gegenwärtig sichtbaren Fassung sind an zahlreichen stellen große Fehlstellen feststellbar.


 
 

Baldachin auf der linken Seite
Der Baldachin ist mit zahlreichen Ornamentformen der Gotik verziert. An zwei Stellen sind die Krabben beschädigt. Auch die unteren Bereiche der Kielbögen fehlen. Die Fassung weist an einigen Stellen Fehlstellen auf.


 
 

Baldachin auf der rechten Seite
Der Baldachin ist mit zahlreichen Ornamentformen der Gotik verziert. An zwei Stellen sind die Krabben beschädigt, zwei weitere Krabben sind mit weißen Mörtel ergänzt. Die unteren Bereiche der Kielbögen fehlen. Auch hier sind zwei Spitzen mit einem weißen Mörtel ergänzt. Die Fassung weist im vorderen Bereich große Fehlstellen auf.


 
 

Linker Konsolstein
Der Konsolstein ist wie ein kleines Kapitell auf einer Säule gestaltet, auch hier sind Ornamentformen der Gotik erkennbar. Dieser Bereich ist in einem befriedigendem Zustand und weist keine mechanischen Beschädigungen, lediglich die Fassung weist einige Fehlstellen auf.


 
 

Rechter Konsolstein
Der Konsolstein ist wie ein kleines Kapitell auf einer Säule gestaltet, auch hier sind Ornamentformen der Gotik erkennbar. Dieser Bereich ist in einem befriedigendem Zustand und weist nur eine kleine mechanische Beschädigung im Bereich der unteren floralen Verzierung auf. Die Fassung weist einige kleine Fehlstellen auf.


 
 

Linker seitlicher Bereich
Hier ist eine mechanische Beschädigung im Bereich des Sandsteins erkennbar. Bei einer früheren Restaurierungs-maßnahme wurde an dieser Stelle mit einer dunklen Ergänzungsmasse ergänzt.


 
 

Rechter seitlicher Bereich
Es ist anzunehmen, dass sich ehemals auf den kleinen Konsolsteinen Figuren befanden. Reste von Befestigungen der rechten Figur befindet sich an dieser Stelle. Durch Rostsprengung des Eisens wird der umliegende Steinbereich beschädigt. Dieser Prozess findet seid geraumer Zeit statt, denn es sind in der Umgebung des Eisens mechanische Beschädigungen und zahlreiche Ergänzungen mit verschiedenen Mörteln erkennbar.


 
 

Linker Rahmenbereich
Zahlreiche mechanische Beschädigungen in Form von Ausbrüchen befinden sich im Bereich der Nische. Auch hier ist eine große Ausbruchstelle erkennbar. Die Fehlstelle wurde ehemals mit einem hellen Mörtel ergänzt (siehe Pfeile).


 
 

Aufsicht – Linker Baldachin
Beleg für die Existenz von kleinen Ziertürmchen auf den Baldachinen sind diese Mörtelreste, die als frühere Befestigung dienten.


 
 

Linker Baldachin mit Ziertürmchen
Die Ziertürchen sind aus Holz gefertigt und stark beschädigt. Es handelt sich jedoch um die originale Zutaten oder sehr frühe Ergänzungen, wie die Fassungsabfolge in der Farbuntersuchung belegt.


 
 

Rechter Baldachin mit Ziertürmchen
Die Ziertürchen sind aus Holz gefertigt und in einem besseren Zustand als das linke. Es handelt sich auch hier um eine originale Zutat oder eine sehr frühe Ergänzung, wie die Fassungsabfolge in der Farbuntersuchung belegt.


 
 

Rechte obere Ecke der Nische
Im Bereich der rechten oberen Ecke in der Nische sind, flächige weiße Ausblühungen erkennbar. Vereinzelt sind auch in diesem Bereich pustelartige Salzausblühungen zu sehen (vergleiche Pfeile).


 
 

Linker Seitenrahmen an der Nische
Im Bereich des linken Seitenrahmens an der Nische sind pustelartige Salzausblühungen erkennbar.


 
 

Unterer bereich des linken Konsolsteins
Im vorderen Bereich ist eine Weiße flächige Ausblühung erkennbar.


 
 

Blendmaßwerk – rechte Seite
Im Randbereich der Fehlstellen ist eine Schüsselbildung bei der Fassung feststellbar. Partiell ist Krakellebildung erkennbar (siehe Pfeile).


 
 

Unterhalb des linken Konsolsteins
Unterhalb des linken Konsolsteins ist starke Krakellebildung feststellbar (siehe Pfeile).


 
 

Rechter Seitenrahmen an der Nische
In diesem Bereich ist die Fassung stark beschädigt. Die roten Pfeile weisen auf pustelartige Salzausblühungen, die gelben Pfeile deuten auf ein schüsselförmiges Abheben der Fassung hin.


 
 

Unterhalb des linken Konsolsteins
Eine helle feine Ergänzung ist hier von Rissen durchzogen (vergleiche Pfeile).


 
 

Links neben der Sakramentsnische
Die Sakramentsnische ist im Grenzbereich zur Wand stark mit Zementmörtel überschlämmt worden (vergleiche Pfeil).


 
 

Unterhalb der Sakramentsnische
Unterhalb der Sakramentsnische ist der Wandanstrich fehlerhaft. Im Bereich der Fehlstellen ist ein dichter Salzrasen feststellbar.


 
 

Naturwissenschaftliche Voruntersuchungen
Aufgrund der vorliegenden Schadensbilder ist es notwendig die Schadensmechanismen zu analysieren. Die Analysen werden im Labor des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege von Herrn Dipl. Lab. Chem. Rolf Niemeyer durchgeführt. Zu diesem Zwecke wurden neun verschiedene Materialproben am Objekt entnommen:


 
 
Materialprobe  Fragestellung 
Probe 1 (S)  Weiße flächige Ausblühungen
- Salzanalyse 
Probe 2 (S)  Weiße pustelartige Ausblühungen
- Salzanalyse  
Probe 3 (M)  Heller Ergänzungsmörtel mit zahlreichen dunklen Einschlüssen
- Mörtelanalyse  
Probe 4 (M)  Dunkler Ergänzungsmörtel mit groben EinschlüssenMörtelanalyse 
Probe 5 (M)  Feinkörniger heller Ergänzungsmörtel
- Mörtelanalyse  
Probe 6 (S)  Salzrasen an der Kirchenwand (ca. 1m entfernt)
- Salzanalyse  
Probe 7 (M)  Versatzmörtel, angrenzend zur Wand
- Mörtelanalyse  
Probe 8 (M)  Weißer Ergänzungsmörtel
- Mörtelanalyse  
Probe 9 (Sandstein)   Sandsteinprobe, Vermutung Baumberger Kalksandstein
- Steinanalyse  



 

Ergebnisse
Drei Fragestellungen lagen vor: Liegt eine Salzbelastung mit bauschädlichen Salzen vor?
Woraus bestehen die vorliegenden diversen Ergänzungsmörtel?Handelt es sich bei dem vorliegenden verwendetem Sandstein, um einen Baumberger Kalksandstein?

Ergebnis der Salzanalyse
Die Probe 1 und Probe 2 bestehen zum überwiegenden Teil aus Gips. Oberflächlich erscheint der Gips als weißer Schleier oder, in einer weiteren Kristallisationstufe, als pustelartige Ausblühung. Quelle für den Gips kann der verwendete Mauermörtel sein.
Der Salzrasen aus Probe 6 enthält hauptsächlich Kaliumnitrat. Die Quelle für das Kaliumnitrat kann der verwendete Mauerstein sein. Es ist jedoch auch möglich, dass eine Verunreinigung der Kirche durch Nitrate (Fäkalien) in Vergangenheit stattgefunden hat.

Ergebnis der Mörtelanalyse
Alle Mörtelproben enthalten hydraulische Anteile, besonders die beiden Proben 4 und 5. Bei diesen beiden Proben könnte es sich um Zementmörtel handeln. Möglicherweise können hier auch hydraulische Kalke zum Einsatz gekommen sein.

Ergebnis der Untersuchung der Steinprobe
Die Probe 9 könnte aufgrund der an ihr durchgeführten Bindemittelanalyse Baumberger Kalksandstein sein; sie enthält 60% Anteile, welche in Salzsäure löslich sind. Da der Baumberger Kalksandstein viele Tonminerale enthält, könnten diese sich in den ermittelten hydraulischen Anteilen wiederspiegeln.


 

Untersuchung der Farbfassung
Das Sakramentshäuschen ist vollständig gefasst. Eine keine im Vorfeld entnommene Probe hat ergeben, dass es zu erwarten ist, dass das Sakramentshäuschen ein reiche, möglicherweise polychrome Fassung trägt.

Um den Fassungsbestand und –umfang zu untersuchen und zu dokumentieren, und um eine bessere Ausgangsposition bei der Entscheinung, ob das Objekt retuschiert oder nach Befund neu gefasst werden soll, zu erlangen, wurden 37 Fassungsproben aus verschiedenen Bereichen des Objektes entnommen (siehe Übersichtspläne auf den folgenden Seiten, Übersichtstabellen im Anhang).
Diese wurden in ein Polyesterharz eingebettet und unter dem Mikroskop ausgewertet. Im Anhang sind alle 37 Farbproben aus den verschiedenen Bereichen unter Benennung der Entnahmestellen und mit Verdeutlichung der Schichtenabfolge anhand von Querschlifffotos aufgeführt. Für die Querschliffe wurden drei phototechnische Methoden verwendet, um die Schichtenabfolge optimal sichtbar zu machen.

Auflicht-Aufnahmen
Der Querschnitt durch eine einem Kunstwerk entnommene Probe liefert wichtige Informationen über die technische Ausführung und den Erhaltungszustand des Objekts. Die Querschliffe werden mit „normalen“ Auflicht optimal ausgeleuchtet.

UV-Aufnahmen
Unter UV-Aufnahmen versteht man Mikrophotographie einer Probe unter Anregung mit ultravioletten Licht, Fluoreszenzaufnahme. Die Fluoreszenz ermöglicht eine klare Differenzierung zwischen dem Bindemittel der Malschichten und dem der Grundierungen. Im Falle einer Probe von einem farbig gefassten und mehrfach übermalten Objekt erlaubt die Fluoreszenz eine klare Unterscheindung verschiedener Farbaufträge.

Aufnahmen im polarisiertem Licht
Das Licht wird bei der mikroskopischen Untersuchung so umgelängt, dass es schräg auf die Probe fällt und die Oberflächenstruktur der Probe sichtbar macht. Mit diesem Licht können Schichten, die Metallauflagen enthalten, besonders gut sichtbar gemacht werden.


 

Probenentnahmestellen
Probenentnahmestellen für die Farbuntersuchung


 
 

Probenentnahmestellen im Bereich der Profilierung


 
 
Probennummer  Entnahmebereich 
01  Hippolyt, Inkarnat 
02  Vegetation neben dem Hippolyt 
03  Hippolyt, Heiligenschein 
04  Hintergrund oberhalb des Hippolyt 
05  Hippolyt, Haare 
06  Hippolyt, Gewand/Lendentuch 
07  Hippolyt, Seil/Fessel 
08  Peiniger, Haare 
09  Peiniger, Inkarnat 
10  Peiniger, Gewand 
11  Peiniger, Peitsche 
12  Vegetation rechts neben dem Peiniger 
13  Vegetation links neben dem Peiniger 
14  Ochse, Fell 
15  Ochse, Geschirr 
16  Boden links neben dem Peiniger 
17  Boden oberhalb des Hippolyt 
18  Kielbogige Architektur mit Blendmaßwerk (siehe Zeichnung) 
19  Kielbogige Architektur mit Blendmaßwerk (siehe Zeichnung) 
20  Kielbogige Architektur mit Blendmaßwerk (siehe Zeichnung) 
21  Kielbogige Architektur mit Blendmaßwerk (siehe Zeichnung) 
22  Kielbogige Architektur mit Blendmaßwerk (siehe Zeichnung) 
23  Kielbogige Architektur mit Blendmaßwerk (siehe Zeichnung) 
24  Kielbogige Architektur mit Blendmaßwerk (siehe Zeichnung) 
25  Kielbogige Architektur mit Blendmaßwerk (siehe Zeichnung) 
26  Kielbogige Architektur mit Blendmaßwerk (siehe Zeichnung) 
27  Kielbogige Architektur mit Blendmaßwerk (siehe Zeichnung) 
28  Kielbogige Architektur mit Blendmaßwerk (siehe Zeichnung) 
29  Kielbogige Architektur mit Blendmaßwerk (siehe Zeichnung) 
30  Kielbogige Architektur mit Blendmaßwerk (siehe Zeichnung) 
31  Kielbogige Architektur mit Blendmaßwerk (siehe Zeichnung) 
32  Rechter Baldachin, Kreuzblume 
33  Rechter Baldachin, Hintergrund 
34  Rechter Baldachin, seitliches Dreieck (siehe Zeichnung) 
35  Unterer Begrenzungsstein 
36  Rechter Konsolstein, florare Verzierung 
37  Holztürmchen 



 

Ergebnisse
Die mikroskopische Untersuchung der 37 Fassungsproben hat bei allen Proben einen vergleichbaren chronologischen Aufbau.


 

Fassung I
Bis auf zwei Proben (Probe 8 und Probe 9) auf die ich gesondert eingehen werden, haben alle Proben an unterster Stelle eine „Ockerfarbene Schicht mit großen schwarzen, roten und gelben Einschlüssen“. Diese Schicht bezeichne ich als Fassung I, das Sakramentshäuschen war flächig Sandsteinfarben bemalt.


 
 

Fassung II
Auf der oben genannten Schicht „Ockerfarbene Schicht mit großen schwarzen, roten und gelben Einschlüssen“ liegt eine „Weiße schicht mit großen schwarzen Einschlüssen“ auf. Die vorliegende Fassung ist eine polychrome Fassung, denn partiell werden bestimmte Bereiche mit Rot, Blau und einer Metallauflage besonders hervorgehoben.


 
 

Fassung III
Eine exakte Aussage zum Fassungsaufbau der Fassung III ist nicht möglich, denn nur wenige Proben enthalten diese dritte Schicht. Bei den vollständigen Proben findet sich dann eine „Ockerfarbene Schicht mit feinen schwarzen Einschlüssen“. Auch hier werden bestimmte Bereiche mit Rot und Blau hervorgehoben.


 
 

Fassung IV
Als Basisschicht dieser Fassung bildet eine „Rotbraune Schicht mit weißen und feinen schwarzen Einschlüssen“. Auch hier werden bestimmte Bereiche mit Rot und Blau hervorgehoben.


 
 

Fassung V
Die Fassung V liegt nur in wenigen Proben vor. Es kann deshalb zum Fassungsaufbau keine Aussage getroffen werden.


 

Fassung VI
Als Basisschicht dieser Fassung bildet eine „Weiße Schicht mit feinen gelben und blauen Einschlüssen“. Bestimmte Bereiche werden auch hier mit verschiedenen Rotschattierungen partiell hervorgehoben.


 
 

Fassung VII
Die Fassung VII ist die gegenwärtig sichtbare Schicht. Es handelt sich hierbei möglicherweise um eine Kunstharzfarbe. Eine Kunstharzfarbe zeichnet sich dadurch aus, dass sie sehr dünn und sehr deckend ist. Eine exakte Analyse dieser Farbschicht ist nur mit der aufwendigen Gaschromatographie-Methode möglich.


 

Besondere Beobachtungen
In den Proben 8 und 9 finden sich auch unter der Fassung I Fassungsschichten. Auf einer homogenen weißen Schicht liegen zwei verschiedene rote Farbschichten auf. Diese Fassungsschichten sind also älter als die von mir bezeichnete Fassung I.
Da diese Schichten nur in den beiden Proben beobachtet wurden, werden sie bei der vorliegenden Auswertung nicht berücksichtigt, da sei durch die geringe Anzahl kein Aussagecharakter haben.
Es muß aber an dieser Stelle deutlich hervorgehoben werden, daß die von mir bezeichnete Fassung I nicht die Erstfassung/Originalfassung ist.


 

Archivrecherche
Im Archiv der Ev. –Luth.Kirchengemeinde Blexen existieren zahlreiche Abbildungen von dem Sakramentshäuschen. Zwei dieser Aufnahmen sind für diese Befunduntersuchung besonders interessant. Die eine Abbildung stellt das Sakramentshäuschen um 1900 dar. Es trägt eine polychrome Fassung und weist keine nennenswerten Beschädigungen auf. In einer weiteren Fotografie aus den 60 Jahren ist das Objekt stark beschädigt. Der Zustand ist mit dem gegenwärtigen vergleichbar. Das Sakramentshäuschen ist nach 1900 mit einer Kunstharzfarbe überfasst worden. Die Kunstharzfarbe hat die gegenwärtig sichtbaren starken Schäden verursacht.


 

Archivfoto um 1900


 
 

Archivfoto / Sechziger Jahre


 
 

Die Archivrecherche des gegenwärtig amtierenden Pfarrers Gädicke hat ergeben, dass das Sakramentshäuschen 1789 hellblau angemalt und 1819 mit Messing ausgeschlagen wurde.

Fazit
Eine hellblaue Fassungsschicht wurde bei der Fassungsuntersuchung nicht festgestellt, jedoch weiße Schichten mit zahlreichen blauen Einschlüssen, wie z. B. die Fassungsschicht IV. Bei der Fassungsschicht IV kann es sich eigentlich nicht um die Fassung von 1789 handeln, denn laut Archivrecherche wurde das Sakramentshäuschen 30 Jahre später, also 1819, mit Messing ausgeschlagen. Die Fassunsuntersuchung ergab jedoch, dass sich nur in der Fassungsschicht II eine Metallauflage findet. Die Metallauflage befindet sich also unter der „hellblauen“ Schicht, nicht darauf.
Da in den einzigen Proben 8 und 9 noch ältere Fassungsschichten festgestellt worden sind, ist es ferner vorstellbar, dass sich die in den Archivalien erwähnte Fassung von 1789 nicht erhalten hat.
Es kann hier jedoch die Hypothese aufgestellt werden, dass die Fassung II auf das Jahr 1819 datiert werden kann. Einen Beweis für die Behauptung könnte eine chemische Analyse der Metallauflage erbringen. Liegt in den Proben in der Fassungsschicht II Messing vor, dann kann die Schicht definitiv auf 1819 datiert werden.


 

Restaurierungskonzept
Auf Basis der ermittelten Befunde in der Befund- und Schadenskartierung an der Fassung und am Stein, in der fotografischen Dokumentation und aufgrund der vorliegenden Analyseergebnisse kann ein Restaurierungskonzept erarbeitet werden.



Maßnahmen an der Fassung
Festigung und Sicherung
An zahlreichen Stellen ist im Bereich der Fassung eine Krakellebildung feststellbar. Die Fassung ist partiell hohlliegend oder sie hebt sich schüsselförmig ab. Es ist notwendig diese Fassung zu sichern. Die Festigung erfolgt mit einem tierischen Leim. Die sich schüsselförmig abhebenden Fassungsschollen werden mit Hilfe eines Heizspatels niedergelegt.

Freilegung
Die Archivrecherche hat ergeben, dass das Objekt auf einer Fotografie um 1900 relativ unversehrt sichtbar ist. Eine Aufnahme aus den sechziger Jahren zeigt das Objekt in einem sehr desolaten Zustand. Die gegenwärtig sichtbare Fassungsschicht ist in diesem Zeitraum aufgetragen worden. Man kann davon ausgehen, dass diese Schicht, es handelt sich um eine nicht wasserdampfdiffusionsfähige Farbe, die Schadensursache ist. Diese dichte Schicht muss deshalb von der Oberfläche entfernt werden.


 

Freilegungsversuche
Alle gängigen Lösungsmittel zeigten bei dem Versuch die oberste Schicht anzulösen keine Wirkung. Erst mit Hilfe von Dimethylformamid konnte diese Schicht angelöst werden.


 
 

1. Dimethylformamid
Mit einem mit DMF benetzten Wattestäbchen kann die oberste Schicht partiell entfernt werden. Ein Gleichmäßiges entfernen der Farbschicht ist jedoch nicht möglich.

2. Abbeizer Grüneck Einwirkzeit ½ Stunde
Nicht wirksam

3. Paste aus Dimethylformamid u. Abbeizer Grüneck(1:1) Einwirkzeit ½ Stunde
Nicht wirksam

4. Mechanisch mit einem Glasfaserstift
Ein Gleichmäßiges entfernen der Farbschicht ist nicht möglich.

5. Mechanisch mit einem Sandstrahlgerät (1,5 bar Arbeitsdruck, Strahlmittel Edelkorund 260 µ)
Ekzeptables Freilegungsergebnis


 

Freilegungsfeld mit Sandstrahlgerät
Die oberste Schicht kann gut und kontrolliert mit Hilfe eines Sandstrahlgerätes mit einem Arbeitsdruck von 1,5 bar und dem Strahlmittel Edelkorund der Körnung 260 µ entfernt werden.
Der zeitliche Arbeitsaufwand für eine Fläche von 10 x 10 cm betrug eine Stunde.


 
 

Entfernung aller Mörtel
Die Mörtelanalyse hat ergeben, dass alle analysierten Mörtel hydraulische Anteile haben. Es handelt sich also um zementhaltige Mörtel. Zementhaltige Mörtel sind sehr hart. In Anbindung mit Sandstein stellen sie einen Schadensfaktor dar, denn sie besitzen andere physikalische Eigenschaften (thermisches und hygrisches Dehnungsverhalten) als der Sandstein und schädigen diesen langfristig. Aus diesem Grund müssen alle diese Mörtel entfernt werden.

Salze
Wie das Ergebnis der Salzanalyse belegt, konnte vornehmlich Gips nachgewiesen werden. Quelle für den Gips kann der verwendete Mauermörtel sein. Mit Mauerfeuchtigkeit ist der Gips an die Oberfläche transportiert worden. Da Kalziumsulfat, also Gips, ein schwerlösliches Salz ist, ist hier eine salzreduzierende Maßnahme wenig sinnvoll. Da auch schon die oberste Schicht der Fassung aus konservatorischen Gründen entfernt werden muß, werden in dem Zuge die weißen flächigen Salzausblühungen und die pustelartigen Salzausblühungen entfernt. Sollten nach der Entfernung der obersten Fassungsschicht immer noch weiße Ausblühungen erkennbar sein, dann ist eine Gipsumwandlung mit Ammoniumkarbonatkompressen notwendig. Diese Kompressen bewirken, dass der Gips (Kalziumsulfat), mit Hilfe des sich in der Buchenholzzellulose befindenden, in destillierten Wasser gelösten, Ammoniumcarbonats, in Ammoniumsulfat und Kalziumcarbonat umgewandelt wird.

(NH4)2CO3 + CaSO4 à (NH4)2SO4 + CaCO3

Nach einer noch durch Versuche zu ermittelnden Einwirkzeit lassen sich die Gipskrusten problemlos entfernen.
Eine Alkalibeständigkeit der verwendeten Pigmente muß noch im Vorfeld untersucht werden.

Steinkonsolidierung
An einigen Stellen ist eine „bröckelnde Steinsubstanz“ festgestellt worden. Hier ist eine steinkonsolidierende Maßnahme notwendig. Mit einem Steinfestiger müssen diese behandelt werden.

Rostende Eisen
An zwei Stellen finden sich rostende Eisen, die ehemalige Befestigungsvorrichtungen darstellen. Im Grenzbereich dieser Eisen sind schon zahlreiche Ausbesserungen mit Ergänzungsmörtel sichtbar. Durch Rostsprengung wird das umgebende Material immer wieder zerstört. Diese rostenden Eisenteile müssen, wenn möglich, entfernt werden, oder , wenn nicht zugängig, mit einem Korussionsschutz versehen werden.

Risse / Hohlliegende Bereiche
Es sind zahlreiche Risse und hohlliegende Zonen im unteren Bereich des Sakramentshäuschen erkennbar. Diese müssen durch partielles Einbringen eines Epoxidharzes gesichert werden.

Ergänzungen
Es sind zahlreiche mechanische Beschädigungen am Sakramentshäuschen feststellbar. Durch das Entfernen aller zementhaltigen Mörtel werden noch mehr Fehlstellen geschaffen werden. Um ein ansprechendes und ästhetisch harmonisches Gesamtbild zu erlangen müssen die Fehlstellen ergänzt werden. Als Ergänzungsmaterial kann ein handelsüblicher Restaurierungsmörtel verwendet werden.

Retusche oder Neufassung
Ob das Objekt retuschiert werden kann oder neu gefasst werden muss, kann erst nach Abschluss der Freilegung, also der Entfernung der obersten Schicht, entschieden werden.
Diese Maßnahme muss mit der zuständigen Denkmalpflegebehörde diskutiert werden.

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